13 March 2026, 20:29

Boris Palmer: Polarisierend, provokant und doch politisch unbesiegbar?

Ein grünes Plakat mit weißer Schrift, die 'Elections Municipales Quartier de Grenelle F. Pierron-Tassin Candidat' lautet, vor einem weißen Hintergrund.

Boris Palmer: Polarisierend, provokant und doch politisch unbesiegbar?

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, sorgt seit Jahren mit provokanten Äußerungen für wiederkehrende Kontroversen. Seine Aussagen zu Migration, Rassismus und der Coronavirus-Pandemie haben scharfe Kritik ausgelöst. Doch trotz der massiven Gegenreaktion sehen manche politische Beobachter in ihm weiterhin einen möglichen Gewinn für die Landesregierung.

Erstmals stand Palmer 2020 im Zentrum einer Welle der Empörung, als er behauptete, Deutschland verschwende während der Pandemie Ressourcen, indem es ältere oder kranke Patienten rette, die "ohnehin in sechs Monaten tot" seien. Seine Worte führten zu Vorwürfen der Gefühllosigkeit und Altersdiskriminierung.

2022 verwendete er auf Facebook eine rassistische Beleidigung und behauptete fälschlicherweise, der Fußballer Dennis Aogo habe sich damit gebrüstet, einer Frau seinen "Negerschwanz" angeboten zu haben. Der Beitrag wurde später gelöscht, doch der Schaden blieb. Die Grünen, seine ehemalige Partei, zogen die Unterstützung zurück und leiteten ein Parteiausschlussverfahren ein – mit der Begründung, Palmer verstoße wiederholt gegen antidiskriminatorische Grundsätze.

Auf einer Migrationskonferenz löste Palmer erneut Empörung aus, als er das N-Wort verwendete und Vorwürfe des Nazismus mit der ZwangsKennzeichnung von Juden durch den Judenstern im Holocaust verglich. Kritiker wie die Journalistin Alice von Lenthe bezeichneten ihn daraufhin als Menschenfeind, Rassisten und Holocaust-Verharmloser.

Trotz der Skandale bleibt Palmer politisch erfolgreich. Er setzte sich bei der Oberbürgermeisterwahl gegen Kandidaten mehrerer Parteien durch. Der Journalist Peter Unfried lobt Palmers pragmatische, parteiunabhängige Herangehensweise und sieht in ihm Deutschlands führenden sozial-ökologischen Pragmatiker. Unfried argumentiert, dass Palmers Bilanz in Tübingen ihn zu einem denkbaren Kandidaten für die Landesregierung Baden-Württembergs mache. Die möglichen Vorteile einer Einbindung Palmers überwiegen seiner Meinung nach die Risiken – eine Einschätzung, die nicht alle teilen.

Alice von Lenthe warnt hingegen vor jeder politischen Position für Palmer und fordert Persönlichkeiten wie Cem Özdemir auf, eine Zusammenarbeit abzulehnen. Özdemir, ein führender Grünen-Politiker, hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Landesregierung Baden-Württembergs, doch der knappe Sieg seiner Partei bei der Landtagswahl 2026 macht die Koalitionsverhandlungen brisant. Bei einem Patt von je 56 Sitzen für Grünen und CDU könnte jede Verbindung zu Palmer die Gespräche zusätzlich belasten.

Palmer bleibt eine polarisierende Figur – von vielen wegen seiner Sprache verurteilt, von anderen wegen seiner politischen Erfolge unterstützt. Seine Zukunft in der Landesregierung hängt davon ab, ob seine Befürworter Skeptiker davon überzeugen können, dass seine administrativen Fähigkeiten die wiederholten Eklats aufwiegen. Bis auf Weiteres bleiben seine Aussichten ungewiss, während die Koalitionsgespräche ohne seine Beteiligung fortgesetzt werden.

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