Collien Fernandes enthüllt jahrelange digitale Belästigung durch Ex-Mann Christian Ulmen
Kazim HoffmannCollien Fernandes enthüllt jahrelange digitale Belästigung durch Ex-Mann Christian Ulmen
Moderatorin Collien Fernandes wirft Ex-Mann Christian Ulmen jahrelange digitale Belästigung vor
Die deutsche Fernsehmoderatorin Collien Fernandes hat ihren Ex-Mann, den Komiker Christian Ulmen, öffentlich beschuldigt, sie über Jahre hinweg im Internet schikaniert zu haben. Zu den Vorwürfen gehören das Anlegen gefälschter Profile unter ihrem Namen, die Verbreitung von Deepfake-Pornografie sowie das Vortäuschen ihrer Identität für Telefonssex. Die Anschuldigungen bringen Ulmens umstrittene Vergangenheit – sowohl vor als auch hinter der Kamera – erneut in die Diskussion.
Fernandes' Schilderungen kommen Jahre, nachdem die beiden in den mittleren 2000er-Jahren gemeinsam gearbeitet hatten, als Ulmen durch die Darstellung frauenfeindlicher, vulgärer Charaktere in Reality-Shows bekannt wurde. Damals galt sein Verhalten als inszeniert – heute rückt der Vorwurf realer Manipulation und Misshandlung in den Fokus.
In den 2000er-Jahren wurde Christian Ulmen vor allem durch die ProSieben-Sendung Mein neuer Freund bekannt, in der er wöchentlich einen anderen "Albtraum-Freund" spielte. Die Frauen im Format mussten sich mit seinen abstoßenden Rollen auseinandersetzen – von anbrüllenden Tyrannen bis hin zu einem snobistischen Aristokraten namens Alexander von Eich, der mit einem Stock wedelte. Wer bis zum Ende durchhielt, erhielt Geld, doch die Sendung stand immer wieder in der Kritik, Frauen herabzuwürdigen.
Ulmens provokanter Stil beschränkte sich nicht auf Mein neuer Freund. In Wer will meine Freundin vögeln? moderierte er eine Show, in der Männer darum wetteiferten, wer die "heißeste" Freundin habe – mit derben Aufgaben, die viele als frauenverachtend empfanden. Damals wurden seine Auftritte als Satire oder Schockhumor abgetan. Doch Fernandes beschreibt sein Verhalten heute als "virtuelle Vergewaltigung" und wirft ihm vor, die Grenzen zwischen Rolle und Realität verwischt zu haben.
Als die Beziehung zwischen Fernandes und Ulmen vor Jahren öffentlich wurde, hinterfragten einige Beobachter – darunter auch der Autor eines aktuellen Kommentars – ihre Urteilsfähigkeit. Ulmens TV-Persona machte ihn zum unwahrscheinlichen Partner für eine angesehene Moderatorin wie Fernandes. Angesichts ihrer Vorwürfe wirken diese frühen Zweifel nun fehlplatziert. Fernandes behauptet, Ulmen habe über ein Jahrzehnt lang gefälschte Online-Profile unter ihrem Namen erstellt, Männer kontaktiert und explizite Deepfake-Inhalte verbreitet. In Palma de Mallorca wurden inzwischen Anzeigen wegen Identitätsmissbrauchs, Beleidigung und Körperverletzung eingereicht; mit einem Prozess ist Ende 2025 zu rechnen.
Bisher haben sich keine weiteren Frauen mit ähnlichen Vorwürfen gegen Ulmen gemeldet. Dennoch passt Fernandes' Geschichte in ein größeres Muster, bei dem Männer digitale Manipulation nutzen, um Frauen zu belästigen und zu kontrollieren. Überlebende wie Gisèle Pelicot, die den Satz Die Scham muss die Seite wechseln prägte, argumentieren, dass solche Fälle zeigen, wie Täter Technologie einsetzen, um ihre Macht auszuweiten. Was einst als provokative Unterhaltung abgetan wurde, wirkt heute wie eine beunruhigende Vorstufe zu realem Leid.
Die Vorwürfe gegen Christian Ulmen gehen über seine umstrittenen TV-Rollen hinaus und berühren ernsthafte juristische Fragen. Sollten sie sich bestätigen, könnten seine Handlungen einen Präzedenzfall für die Verfolgung digitaler Belästigung und Deepfake-Missbrauchs darstellen. Für Fernandes bedeutet ihr öffentliches Schweigenbrechen eine Verschiebung des Fokus – weg von ihrer Vergangenheit, hin zum systemischen Problem, dass Männer Technologie als Waffe gegen Frauen einsetzen.
Der Fall zwingt auch zu einer Auseinandersetzung mit der Frage, wie Medien Ulmens Verhalten einst als Comedy normalisierten. Was in den 2000ern noch als harmlose Provokation galt, wird heute unter dem Gesichtspunkt realer Konsequenzen neu bewertet.






