Gleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Hasswelle und Angriffe in Deutschland
Niko CichoriusGleichstellungsbeauftragte kämpfen gegen wachsende Hasswelle und Angriffe in Deutschland
Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland sehen sich wachsender Feindseligkeit ausgesetzt
In ganz Deutschland sind Gleichstellungsbeauftragte zunehmend mit Hass und Angriffen konfrontiert, während antifeministische Vorfälle immer häufiger werden. Ein aktueller Bericht zeigt: 63 Prozent der Beauftragten erlebten in den vergangenen zwei Jahren gezielte Aggressionen. Viele schließen sich nun zusammen, um gegen diesen Trend vorzugehen.
Die Lage hat sich 2024 weiter zugespitzt. Die Meldestelle Antifeminismus verzeichnete in diesem Jahr bereits 558 Vorfälle – im Schnitt zehn pro Woche. Die Angriffe reichen von verbalen Beleidigungen bis zu körperlicher Einschüchterung. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, dass nach einem öffentlichen Statement zu einem umstrittenen Thema Rechtsextreme vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Antifeminismus, eine Bewegung, die sich gegen die Rechte von Frauen und queeren Menschen richtet, ist längst kein Randphänomen mehr. Judith Rahner, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, warnt, dass die dahinterstehenden Ideen zunehmend in der breiten Öffentlichkeit Akzeptanz finden. Gleichzeitig gerät auch die UN-Kampagne Orange the World, die auf geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam macht, ins Visier der Angreifer: In Osnabrück wurde eine orange Bank mit Graffiti besprüht, in Wiesbaden verschwand eine solche komplett. In Annweiler verfälschten Vandalen den Kampagnenslogan.
Der jüngste Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Lübeck spiegelte die wachsende Dringlichkeit wider. Unter dem Motto Kurs halten in antifeministischen Gewässern berieten die Teilnehmenden über Strategien gegen den Rückschlag. Doch Kürzungen bei den Mitteln und politische Gleichgültigkeit erschweren die Arbeit vieler Beauftragter. Über 40 Prozent berichteten von mehreren Vorfällen in den letzten zwei Jahren – von Budgetkürzungen bis zu offener Sachbeschädigung.
Angesichts der dreister werdenden Angriffe bauen Gleichstellungsbeauftragte nun Netzwerke auf, um Ressourcen und Unterstützung auszutauschen. Die Zunahme der Vorfälle deutet auf eine koordinierte Kampagne hin, ihre Arbeit zu untergraben. Fürs Erste bleibt Solidarität ihre stärkste Waffe gegen die wachsende Welle der Feindseligkeit.






