Hermann-Hesse-Bahn: Von 49 auf 207 Millionen – wie ein Schienenprojekt eskalierte
Joachim RoseHermann-Hesse-Bahn: Von 49 auf 207 Millionen – wie ein Schienenprojekt eskalierte
Das Projekt der Hermann-Hesse-Bahn im Landkreis Calw steht im aktuellen "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler. Der jährliche Bericht listet 100 Fälle von Geldverschwendung in ganz Deutschland auf – allein 11 davon entfallen auf Baden-Württemberg. Besonders hervor sticht das problematische Schienenprojekt, das durch explodierende Kosten und jahrelange Verzögerungen auffällt.
Ursprünglich 2015 mit 49 Millionen Euro veranschlagt, belaufen sich die Ausgaben für die Hermann-Hesse-Bahn mittlerweile auf 207 Millionen Euro. Der Baubeginn, eigentlich für 2018 geplant, wurde auf Ende 2025 verschoben. Auch die Wiederinbetriebnahme der Strecke soll bis dahin abgeschlossen sein.
Ein Hauptgrund für die Verzögerungen und steigenden Kosten ist der Artenschutz: Um lokale Fledermauspopulationen zu schützen, wird in zwei Tunnelröhren eine Trennwand eingebaut. Zwei der 18 Fledermausarten konnten sich jedoch nur schwer anpassen. Die ökologischen Auflagen haben sowohl zu Budgetüberschreitungen als auch zu terminlichen Rückschlägen beigetragen.
Auch die Finanzierung hat sich verändert. Baden-Württemberg wollte ursprünglich 50 Prozent der Kosten tragen, übernimmt nun aber 75 Prozent – bedingt durch die stark gestiegenen Ausgaben. Die verbleibenden 25 Prozent steuert der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn bei, dem der Landkreis Calw und mehrere Gemeinden angehören.
Trotz aller Hindernisse soll das Projekt die Verkehrsanbindung an die Region Stuttgart verbessern. Verantwortliche versprechen sich davon wirtschaftliche Impulse und eine höhere Lebensqualität vor Ort.
Die Hermann-Hesse-Bahn bleibt ein teures und verzögertes Vorhaben, das nun wegen finanzieller Fehlplanung im "Schwarzbuch" landet. Mit einer Fertigstellung frühestens Ende 2025 wird die Rechnung mehr als das Vierfache der ursprünglichen Kalkulation betragen. Der Fledermausschutz, so notwendig er ist, hat sowohl den Zeitplan als auch die Kosten zusätzlich in die Höhe getrieben.






