31 May 2026, 12:18

Mehrfachjobben wird zur Überlebensstrategie in Deutschland – warum immer mehr Menschen mehrere Jobs brauchen

Polyworking

Mehrfachjobben wird zur Überlebensstrategie in Deutschland – warum immer mehr Menschen mehrere Jobs brauchen

Leben in Deutschland ist in den letzten zehn Jahren deutlich teurer geworden – und treibt damit viele Menschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Während die Mieten fast verdoppelt haben, hinken die Löhne hinterher. Immer mehr Berufstätige müssen mehrere Jobs gleichzeitig ausüben, um über die Runden zu kommen. Für manche ist dies der einzige Weg, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken und noch etwas für die Zukunft zurückzulegen.

Die Wohnkosten sind bundesweit explodiert: Allein in Berlin stiegen die Mieten innerhalb von zehn Jahren um 69 Prozent. Viele Vollzeitstellen zahlen so wenig, dass Arbeitnehmer selbst mit den notwendigsten Ausgaben kaum zurechtkommen. Eine Schriftstellerin, die in befristeten Verträgen feststeckt, stellte fest, dass ein einziger Minijob kaum die Miete deckt – eine Festanstellung bleibt für sie finanziell unerreichbar.

Wirtschaftliche Unsicherheit und der Aufstieg der KI haben zudem zu massiven Entlassungen geführt, besonders in kreativen und redaktionellen Berufen. Um über die Runden zu kommen, nahm dieselbe Autorin vor einem Jahr zwei Teilzeitstellen in der Redaktion an – oft kombiniert mit freiberuflichen Projekten. Dieses sogenannte „Mehrfachjobben“ – also das gleichzeitige Ausüben mehrerer Tätigkeiten – verbreitet sich rasant in der Mittelschicht.

Das Phänomen ist kein Einzelfall. Eine Umfrage von Academized aus dem Jahr 2025 ergab, dass jeder zweite Mensch zwischen 26 und 41 Jahren mindestens einen Nebenjob hat. Die Anzahl der Teilzeitstellen ist seit 2020 um nahezu 69 Prozent gestiegen – ein deutlicher Beleg dafür, wie sich die Einkommenssituation vieler Menschen verändert hat. Für diejenigen, die sich keine private Altersvorsorge leisten können, sind mehrere Jobs längst keine freiwillige Entscheidung mehr, sondern schiere Notwendigkeit.

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Besonders hart trifft es junge Akademikerinnen. Die Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe erreichte Anfang 2026 einen Rekordwert und verschärft den Druck auf diejenigen, die ohnehin schon mit instabilen Arbeitsverhältnissen kämpfen.

Die Kombination aus stagnierenden Löhnen, explodierenden Mieten und Jobunsicherheit hat das Arbeitsleben vieler Deutscher grundlegend verändert. Mehrere Jobs sind längst kein Mittel mehr, um sich etwas dazuverdienen – sie sind für viele überlebensnotwendig. Ohne tiefgreifende Veränderungen wird sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen, für alle, die sowohl mit den täglichen Ausgaben als auch mit der langfristigen Absicherung hadern.

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