Oktoberfest-Pause: Wenn Bierbänke zu Kirchenstühlen werden
Jedes Jahr macht das Münchner Oktoberfest eine kurze Pause vom Bier und Feiern – für einen Gottesdienst.
In der Marstall-Festhalle, in der ersten Woche des Festes, verbindet die Veranstaltung Tradition mit Glauben. Die diesjährige Messe fiel durch stille Momente und ungewöhnliche Details auf – darunter ein gemeinsamer goldener Kelch und ein Pfarrer ohne eigene Gemeinde.
Der Gottesdienst begann damit, dass die Besucher aufstanden und Lobt den Herrn sangen. Ihre Stimmen füllten das Zelt, wo sonst das Klirren der Maßkrüge und fröhliche Musik zu hören sind. Statt der beschwingten Oompah-Rhythmen der Königlich Bayerischen Hofkapelle erklang ein einsames Halleluja von der leeren Bühne.
Nur sechs Männer nahmen am Kelch teil und reichten einen einzigen goldenen Becher untereinander weiter. Einer von ihnen trat ans Mikrofon und sprach die Worte: Und führe uns nicht in Versuchung. Der Pfarrer, der die Messe leitete, hat keine feste Kirche – so wie sein Dorf keinen zentralen Platz besitzt.
Die Veranstaltung bleibt ein seltener Moment der Besinnung mitten im Festtrubel. Zwar gibt es ähnliche Gottesdienste gelegentlich in Regionen wie dem Oberland oder Hamburg, doch die Münchner Variante ist in ihrer Atmosphäre und ihrem Ausmaß einzigartig.
Der jährliche Oktoberfest-Gottesdienst bietet einen Kontrast zum umgebenden Treiben. Mit Kirchenliedern, geteiltem Wein und einem Pfarrer ohne festen Standort zeigt er die ruhigere Seite des Festes. Für die Besucher ist die kurze Zeremonie eine Tradition, die Jahr für Jahr weiterlebt.






