15 March 2026, 04:17

Steffi: Wie die DDR mit ihrer eigenen Modepuppe gegen Barbie antrat

Eine Frau in gelbem Kleid hält eine Puppe, beide mit sanften und neugierigen Ausdrücken, vor einem hellblauen Hintergrund, mit dem Text "Berliner Leben Magazine - April 1928" und einem Wasserzeichen in der rechten unteren Ecke.

Modepuppe Steffi: Die Barbie des Sozialismus wird 60 - Steffi: Wie die DDR mit ihrer eigenen Modepuppe gegen Barbie antrat

Vor sechzig Jahren führte die DDR mit Steffi ihre eigene Modepuppe für Jugendliche ein – oft als "Barbie des Sozialismus" bezeichnet. Als Antwort auf die amerikanische Barbie und die westdeutsche Petra entwickelt, wurde sie zu einem kulturellen Symbol der DDR. Heute finden sich originale Steffi-Puppen in Museen, Privatsammlungen und Online-Auktionen, wobei die Preise je nach Zustand zwischen 20 und 200 Euro liegen.

Entworfen wurde Steffi von der Designerin Margot Schmied, die die Puppe nach ihrer eigenen Tochter benannte. Gefertigt wurde sie im VEB Puppenfabrik Biggi in Waltershausen – einem volkseigenen Betrieb im Thüringer Wald – und war Teil einer blühenden Puppenherstellungsindustrie in der DDR. Die Fabrik exportierte Steffi häufig und bescherte der DDR so wertvolle Devisen.

Ihr Aussehen spiegelte die Modetrends der 1960er-Jahre wider: dicke Eyeliner, grünlich-blaue oder türkisfarbene Lidschatten und eine üppige Synthetikfaser-Tolle. Im Gegensatz zu Barbies übertriebener Sanduhrfigur galten Steffis Proportionen als realistischere Darstellung eines erwachsenen Frauenkörpers. Ein weiterer entscheidender Unterschied war die Vielfalt: Steffi wurde von Anfang an in verschiedenen Hauttönen produziert, während die erste offizielle schwarze Barbie erst 1980 auf den Markt kam.

Die Puppe wurde mit zwölf verschiedenen Berufsoutfits ausgeliefert, die sozialistische Ideale widerspiegelten. Darunter befanden sich Uniformen einer Volkspolizistin (Volks-polizistin), einer FDJ-Funktionärin (Freie Deutsche Jugend) und einer LPG-Arbeiterin (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). Diese Outfits betonten Berufe, die für die DDR-Gesellschaft zentral waren.

Auch Barbie selbst hatte deutsche Wurzeln: Sie wurde von der Bild-Lilli-Puppe inspiriert, einer Figur, die auf eine sexualisierte Comicstrip-Figur aus einer westdeutschen Boulevardzeitung zurückging. Steffi hingegen wurde von den Werten und der Ästhetik der DDR-Planwirtschaft geprägt.

Steffi bleibt ein greifbares Stück DDR-Geschichte, bewahrt in Sammlungen und unter Enthusiasten gehandelt. Ihre Gestaltungsmerkmale – von den realistischen Körperproportionen bis hin zur frühen Vielfalt der Hautfarben – unterschieden sie von westlichen Konkurrentinnen. Als Produkt der Waltershausener Puppentradition steht sie zudem für das industrielle und kulturelle Erbe der DDR-Fertigung.

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