05 April 2026, 08:18

Wie ein Kieler Junge dem Ruf der Padua folgte und das Meer fand

Altes Buchcover mit einem vintage-Schiff mit geblähten Segeln auf ruhiger See, Text in klassischer Schriftart, gedämpfte Farben.

Wie ein Kieler Junge dem Ruf der Padua folgte und das Meer fand

Michael Krieg verbrachte seine frühen Jahre umgeben von den Klängen und dem Treiben der pulsierenden Kieler Werften. Aufgewachsen in der Nähe der inzwischen geschlossenen Howaldtswerke-Werft, beobachtete er, wie Schiffe aller Art – Tanker, Frachter und Marineschiffe – in den Förde gleiteten. Das Meer prägte seine Kindheit, erfüllte sie mit Musik, Sehnsucht und dem Ruf ferner Reisen.

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Schon als Junge faszinierten Krieg die Schiffe, die in Kiel einliefen. Das Schulschiff Gorch Fock der Deutschen Marine und ausländische Segelschiffe, die vor Anker gingen, beflügelten seine Fantasie. Zu Hause lagen die Lieder von Hans Albers, Freddy Quinn und Lale Andersen in der Luft. Ihre Seemannslieder, besonders Albers' Große Freiheit Nr. 7 – ein Film aus dem Jahr 1944 über einen Seemann, der sich nach dem weiten Meer sehnt – wurden zur musikalischen Untermalung der Familienausflüge.

Kriegs eigene Stimme fand ihren Platz in einem örtlichen Kirchenchor. Dort sang er neben einem bassstarken Sänger, der auch beim Lotsen-Gesangverein mitwirkte, einem 1929 gegründeten Chor der Hafenlotsen. Doch sein Herz gehörte dem Meer – und einem Schiff im Besonderen: der Padua, dem letzten großen Segelschiff der Hamburger Flying P-Liner-Flotte.

Die 1921 gebaute Padua – heute das russische Schulschiff Sedov – war der letzte viermastige Bark dieser legendären Ära. Kriegs Faszination für das Schiff vertiefte sich, als unerwiderte Liebe zu einer jungen Frau namens La Paloma ihn ruhelos machte. Auf der Suche nach Flucht vor seinen Gefühlen heuerte er auf der Padua an, auf der Spur derselben Freiheit, die einst Hannes Kröger, den fiktiven Seemann aus Albers' Film, gelockt hatte.

Die Padua, unter russischer Flagge in Kruzenshtern umbenannt, ist das einzige noch erhaltene Schiff ihrer Art. Kriegs Weg von den Kieler Werften an Bord dieses Seglers spiegelt die Geschichten wider, die in den Shanties erzählt werden, die er so liebte. Sein Leben, wie das des Schiffes, wurde zu einer Brücke zwischen dem Zeitalter der hölzernen Schiffsrümpfe und der modernen Welt.

Quelle