WM-Fieber im Büro: Wie die Fußball-Weltmeisterschaft die Produktivität gefährdet
Niko CichoriusWM-Fieber im Büro: Wie die Fußball-Weltmeisterschaft die Produktivität gefährdet
Die Fußball-Weltmeisterschaft sorgt in deutschen Betrieben für Unruhe. Beschäftigte verbringen Arbeitszeit mit der Verfolgung der Spiele – mit Folgen für die Produktivität und rechtlichen Fragen zum Verhalten am Arbeitsplatz. Die lange Turnierdauer und ungewöhnlichen Anstoßzeiten verschärfen die Problematik.
Die diesjährige WM erstreckt sich über fast fünf Wochen mit 104 Partien. Viele Spiele beginnen in Deutschland nach Mitternacht oder am frühen Morgen, was es Fans erschwert, die Begegnungen zu verfolgen, ohne dass dies Auswirkungen auf ihren Arbeitstag hat.
Das deutsche Arbeitsrecht sieht nicht automatisch vor, dass Arbeitnehmer das Turnier während der Arbeitszeit verfolgen dürfen. Arbeitgeber müssen ihre Zustimmung erteilen, wobei Gerichte in der Regel das Verfolgen von Live-Ergebnissen oder das Radiohören der Spiele erlauben – vorausgesetzt, es stört neither Kollegen noch die Arbeitsleistung.
Im Schnitt wenden Beschäftigte etwa 26 Minuten ihrer täglichen Arbeitszeit für WM-Inhalte auf. Über die gesamte Turnierdauer summiert sich dies auf rund zwölf Stunden verlorene Produktivität pro Mitarbeiter. Bundesweit entsteht der Wirtschaft dadurch ein geschätzter Produktionsausfall von 1,3 Milliarden Euro.
Wer nach Spielnächten zu spät kommt oder betrunken zur Arbeit erscheint, riskiert Konsequenzen. Arbeitgeber können Abmahnungen erteilen, Lohn kürzen oder im Extremfall sogar Kündigungen aussprechen.
Die Auswirkungen der WM auf die Arbeitswelt sind beträchtlich: Unternehmen verlieren Milliarden, während Beschäftigte bei Fehlzeiten oder Leistungsabfall mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen müssen. Die Gerichte zeigen zwar gewisse Flexibilität, allerdings nur, solange dies weder die Arbeitspflichten noch die Kollegen beeinträchtigt.






