Bachmann-Preis 2024: Shida Bazyar triumphiert mit bewegendem Text über Gewalt und Körperbilder
Joachim RoseBachmann-Preis 2024: Shida Bazyar triumphiert mit bewegendem Text über Gewalt und Körperbilder
Der Bachmann-Preis endet mit bemerkenswerten Preisträgern und lebhaften Debatten
Shida Bazyar nahm den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen mit nach Hause. Die in diesem Jahr ausschließlich aus Frauen bestehende Jury führte Diskussionen, die stark von wirtschaftlichen Sorgen geprägt waren.
Bazyars preisgekröntes Werk setzt sich mit der anhaltenden Gewalt und den Bewältigungsstrategien übergewichtiger Menschen auseinander. Ihre Arbeit stach unter vielen erfinderischen Einreichungen hervor – die Jury lobte originelle Ideen und prägnante Formulierungen. Nur wenige Texte wurden rundweg abgelehnt.
Slata Roschal präsentierte eine Geschichte, die sich mit der Literaturszene statt mit finanzieller Not befasste. Nach ihrer Lesung kündigte sie an, die Bühne umgehend zu verlassen. Zudem kritisierte sie die Branche für ihre schlecht bezahlten Stipendien und minimalen Gewinne, was die Debatte weiter anheizte.
Zu den weiteren Preisträgern zählte Kinga Tóth, die für ihren sprachlichen Witz und polyphonen Stil den KELAG-Preis erhielt – obwohl sie Deutsch erst in der Schule gelernt hatte. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für seinen Text Vater ohne Sohn ausgezeichnet. Das Motiv des „Flecks“ tauchte in vielen Lesungen auf und erntete Lacher im Publikum.
In Anlehnung an die Namensgeberin des Preises verwies die Jury auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem Gottvater auf der Anklagebank sitzt.
Die Veranstaltung zeigte sowohl literarisches Talent als auch die Herausforderungen der Branche auf. Bazyar, Tóth und Keskinkılıç wurden für ihre jeweiligen Beiträge gewürdigt. Wirtschaftliche Themen und kreative Erzählweisen prägten in diesem Jahr die Diskussionen und Ergebnisse.
