29 June 2026, 20:29

Berlin sucht verzweifelt ein Interim für die Philharmonie – doch wer zahlt die Milliarde?

Zu viel Hysterie!

Berlin sucht verzweifelt ein Interim für die Philharmonie – doch wer zahlt die Milliarde?

In Berlin wird derzeit über ein vorübergehendes Domizil für die Philharmonie während der für 2032 geplanten Sanierung diskutiert. Die Stadt favorisiert das Internationale Congress Centrum (ICC), doch Philharmonie-Direktorin Andrea Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Kollegen vom VAN Magazine haben stattdessen den Flughafen Tempelhof ins Spiel gebracht – allerdings könnten die Kosten dort auf über eine Milliarde Euro steigen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Eine aktuelle Umfrage des Portals BackstageClassical offenbart eine deutliche öffentliche Präferenz für Tempelhof: 66 Prozent der Befragten sprachen sich für den Standort aus, nur fünf Prozent unterstützten das ICC. Die übrigen 29 Prozent schlugen gänzlich andere Spielstätten vor.

Unterdessen kündigte der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) an, seinen Klassikkanal auf DAB+ einzustellen. Er soll durch BR-Klassik ersetzt werden. MDR-Musikdirektorin Annette Josef bezeichnete den Schritt als „strategischen Erfolg“ und verwies auf eine intensivierte Zusammenarbeit innerhalb der ARD.

Steven Walter, Intendant des Bonner Beethovenfests, hat indes klare Regeln für den Umgang bei seinem Festival aufgestellt: Er erklärte die Veranstaltung zur „No-Dick-Pic-Zone“ und verhängte ein Hausverbot für Wiederholungstäter.

In Salzburg sind die Sanierungskosten für das Festival erneut gestiegen – die neue Schätzung beläuft sich auf 635 Millionen Euro, 116 Millionen mehr als die vorherige Kalkulation von 519 Millionen.

Der Bariton Matthias Goerne sagte seine anstehenden Auftritte mit den Israel Philharmonikern ab und begründete dies mit Reisebeschränkungen. Gleichzeitig wird im Juli ein neues Schumann-Album mit ihm und Markus Hinterhäuser erscheinen, während dessen Nachfolgerin Karin Bergmann anbot, seine geplanten Konzerte zu übernehmen.

Die klassische Musikszene ist zunehmend polarisiert – schnelle, kompromisslose Meinungen sind gefragt. Besonders die Diskussionen um das Verhalten von Dirigent John Eliot Gardiner beim Leipziger Bachfest spalten die Gemüter: Die einen verteidigen ihn, die anderen verurteilen sein Auftreten scharf.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda meldete sich unterdessen zu einem anderen Thema zu Wort: Er verteidigte Michel Friedmans Bewusstsein für die Risiken, wenn kulturelle Mythen die freie Meinungsäußerung ersticken. Auch Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommer-Musiktage, forderte mehr Ernsthaftigkeit in der Musik und kritisierte Institutionen, die um jeden Preis neue Zielgruppen umwerben.

Berlin bleibt derweil auf der Suche nach einer passenden Interimslösung für die Philharmonie – eine Entscheidung, die die Zukunft des Orchesters prägen wird. Gleichzeitig steht die klassische Musikwelt vor grundsätzlichen Debatten über Finanzierung, Umgangsformen und künstlerische Ausrichtung.

Quelle