Hannover-Skandal: Wie 924.500 Euro für ein nie geöffnetes Respekt Café verschwanden
Niko CichoriusHannover-Skandal: Wie 924.500 Euro für ein nie geöffnetes Respekt Café verschwanden
In Hannover ist ein Skandal um den mutmaßlichen Missbrauch öffentlicher Gelder aufgeflamt. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht Hülya Iri, ehemalige stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat. Lokale Medien berichten, das mit ihr verbundene Projekt Respekt Café habe kaum geöffnet und keine nachweisbaren Aktivitäten entfaltet.
Der Verein Integrationsarbeit Kronsberg war 2018 von der SPD-Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen gegründet worden, deren Vorsitz Iri innehatte. Zwischen Januar und Dezember 2023 bewilligte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für das Respekt Café Kronsberg fast 924.500 Euro. Bis Juni desselben Jahres waren bereits rund 740.000 Euro ausgezahlt worden – zusätzlich zu Fördermitteln aus Niedersachsen und der Region Hannover.
Iris Bezüge stiegen dabei deutlich: von 1.000 Euro im Jahr 2021 auf 7.680 Euro 2023. Zusammen mit Zahlungen an ihre Tochter Esma Bozdemir summierten sich die Beträge auf mindestens 685.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob öffentliche Gelder für Immobilienkäufe verwendet wurden – Bozdemir besitzt mehrere Gebäude in Hannover.
Das Amtsgericht Hannover leitete ein Insolvenzverfahren gegen den Verein ein, woraufhin Iri und Bozdemir von ihren Posten zurücktraten. Das von der SPD geführte Landesministerium für Soziales hatte dem Projekt zuvor über zwei Jahre hinweg 54.558 Euro bewilligt. Auch Doris Schröder-Köpf, die ehemalige Ehefrau von Altkanzler Gerhard Schröder, hatte Iri durch Empfehlungsschreiben unterstützt.
Die Ermittlungen zum Verdacht der Veruntreuung laufen noch. Die mangelnde Aktivität des Respekt Cafés und die hohen Summen werfen schwere Fragen auf. Die Behörden werten weiterhin Finanzunterlagen und Immobilientransaktionen im Zusammenhang mit dem Fall aus.
