Humboldt Forum: Zwischen koloniale Kritik und kultureller Strahlkraft
Niko CichoriusHumboldt Forum: Zwischen koloniale Kritik und kultureller Strahlkraft
Das Humboldt Forum in Berlin beherbergt heute das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst. Sein kulturelles Programm setzt sich regelmäßig mit zentralen Themen wie dem Rückgang demokratischer Werte und globaler Ungerechtigkeit auseinander. Dennoch steht der Ort seit Langem in der Kritik – wegen seines Designs und seiner Atmosphäre.
Das Humboldt Forum wurde von vermögenden konservativen Spendern finanziert, die damit preußische Pracht in der Stadt wiederbeleben wollten. Seit seiner Eröffnung ist es zu einem Kristallisationspunkt für Debatten über Raubkunst, Restitution und koloniale Gewalt geworden. Gerade durch seine Existenz haben diese Diskussionen an Fahrt aufgenommen.
Im vergangenen Jahr zog das Forum rund 634.000 Besucher in seine Ausstellungen. Im Vergleich zum Louvre, der etwa 13 Millionen Gäste verzeichnete, ist diese Zahl bescheiden. Das Gebäude selbst wird oft als palastartig kritisiert – weniger als ein offener, öffentlicher Raum wahrgenommen.
Seine kulturellen Veranstaltungen werden zwar häufig für ihre Qualität gelobt, doch viele Besucher empfinden den Besuch als zersplittert: Beeindruckende Aufführungen und Diskussionsformate wirken angesichts der überwältigenden, unpersönlichen Architektur oft verloren. Eine Ausnahme bildete Sarah Ama Duahs Performance to build to bury to remember, die Objekte als autonome Körper inszenierte und so koloniale Blickwinkel herausforderte.
Das Humboldt Forum bleibt eine widersprüchliche und polarisierende Institution. Es zeigt bedeutende Ausstellungen und stößt wichtige gesellschaftliche Debatten an. Doch seine räumliche Gestaltung und die vergleichsweise geringen Besucherzahlen verdeutlichen die anhaltenden Herausforderungen, ein breites Publikum zu erreichen.
