27 April 2026, 12:29

Neuer Schulroman thematisiert den Völkermord an den Armeniern und deutsche Mittäterschaft

Detailierte Karte von Anatolien und Armenien auf Papier mit begleitendem Text, die geografische Merkmale wie Flüsse, Berge und Städte zeigt.

Neuer Schulroman thematisiert den Völkermord an den Armeniern und deutsche Mittäterschaft

In diesem Jahr jährt sich der Völkermord an den Armeniern zum 111. Mal – ein Verbrechen, bei dem unter dem Osmanischen Reich etwa 1,5 Millionen Menschen ermordet wurden. Deutschlands Rolle in diesen Gräueltaten bleibt ein schwieriges, aber wichtiges Kapitel der Geschichte. Nun soll ein neuer Roman diese Ereignisse in Klassenzimmer im ganzen Land tragen.

Der Reclam Verlag veröffentlichte im März Laura Cwiertnias Roman "Auf der Straße haben wir andere Namen" als Pflichtlektüre für Schulen. Das Buch erzählt vom Leben türkischer Gastarbeiter:innen in Deutschland und setzt sich mit den Themen Völkermord, Überleben und Diskriminierung auseinander. Gleichzeitig rückt es die Erfahrungen armenischer Migrant:innen in den Fokus und verknüpft historisches Trauma mit modernen Geschichten.

Eine Resolution des Bundestags aus dem Jahr 2016 erklärte den Völkermord von 1915 zur verbindlichen Thematik im Schulunterricht. Doch viele Lehrpläne klammern das Thema weiterhin aus – sei es wegen überfüllter Stoffverteilungen, Zeitmangels oder fehlender Unterrichtsmaterialien. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers, die ein Nachwort zum Roman beisteuerte, betont, dass die Auseinandersetzung mit solcher Literatur Empathie und Verständnis fördern kann.

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Deutschlands Verstrickung in den Völkermord fügt der Debatte eine weitere Dimension hinzu. Historiker:innen verweisen seit Langem auf die Mittäterschaft des Landes, was die Thematik für deutsche Schüler:innen besonders relevant macht. Die Aufnahme des Romans in die Lehrpläne könnte helfen, diese Lücke in der Bildung zu schließen.

Die Veröffentlichung von Cwiertnias Werk bietet einen neuen Zugang, um über den Völkermord an den Armeniern zu unterrichten. Indem es Geschichte mit den Erfahrungen heutiger Migrant:innen verbindet, könnte es in Klassenzimmern zu einer tieferen Reflexion anregen. Ob die Schulen das Material flächendeckend einsetzen werden, bleibt jedoch abzuwarten.

Quelle