Thüringen kämpft mit Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Joachim RoseThüringen kämpft mit Pilotprojekt gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen
Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen geht gegen digitale sexualisierte Gewalt an Schulen vor
Ein dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen hat sich mit digitaler sexualisierter Gewalt an Schulen auseinandergesetzt und dabei rund 5.000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Unter der Leitung der Expertin Yasmina Ramdani zielte die Initiative darauf ab, junge Menschen über Online-Risiken wie Cybergrooming oder die unerwünschte Verbreitung intimer Bilder aufzuklären. Das Projekt war das erste seiner Art in Deutschland und wurde vor dem Hintergrund gestartet, dass Studien seit 2020 einen deutlichen Anstieg solcher Vorfälle verzeichnen.
Die vom Thüringer Landesbeauftragten für den Kinderschutz finanzierte Pilotmaßnahme setzte auf interaktive Methoden, um die Jugendlichen zu erreichen. Ramdani nutzte etwa Bingokarten, um Diskussionen über digitale Grenzen anzuregen und Jugendlichen zu helfen, Online-Erfahrungen mit realen Konsequenzen zu verknüpfen. Viele Verstöße, so ihre Beobachtung, geschehen innerhalb von Freundeskreisen oder Klassenchats – oft aus Naivität und mangelnder digitaler Kompetenz.
Eine Studie des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit aus dem Jahr 2026 ergab, dass 64 Prozent der 14- bis 25-Jährigen bereits Formen nicht-physischer digitaler sexualisierter Gewalt erlebt hatten. Dazu zählten sexuelle Beleidigungen, Cybergrooming oder die nicht einvernehmliche Weitergabe intimer Aufnahmen – wobei Mädchen (25 Prozent) deutlich häufiger betroffen waren als Jungen (11 Prozent). Der Anstieg der Vorfälle wird mit anonymer Ansprache auf digitalen Plattformen und der zunehmenden Internetnutzung von Minderjährigen in Verbindung gebracht.
Lehrkräfte fühlen sich oft überfordert, wenn es darum geht, solche Fälle digitaler Gewalt zu thematisieren. Ramdani betonte, dass Prävention entscheidend sei, da die Bewältigung der langfristigen Folgen solcher Übergriffe weitaus kostspieliger sei. Gleichzeitig rief sie Eltern dazu auf, das eigene Verhalten zu reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen zu sprechen.
Besonders besorgniserregend ist das sogenannte Cybergrooming, bei dem Täter gezielt über Chats Kontakt zu Jugendlichen suchen. Fachleute warnen, dass digitale Plattformen es Straftätern ermöglichen, in größerem Maßstab zu agieren – was frühzeitige Aufklärung und Begleitung durch Erwachsene umso wichtiger macht.
Das Projekt unterstrich den Bedarf an flächendeckenden Präventionsmaßnahmen, da fast die Hälfte der jungen Menschen angibt, bereits digitale sexualisierte Gewalt erlebt zu haben. Schulen, Eltern und Politiker werden nun aufgefordert, frühzeitig zu handeln, bevor es zu Vorfällen kommt. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen droht sich das Problem weiter zu verschärfen, da digitale Interaktionen unter Minderjährigen weiterhin zunehmen.






