22 April 2026, 18:24

Dresdens verbotene Kunst: Wie Underground-Künstler die DDR herausforderten

Plakat für die Große Ausstellung der bildenden Künste auf der Grand Exposition des Beaux-Arts in Dresden, Deutschland, 1904, mit auffälliger Textwerbung.

Dresdens verbotene Kunst: Wie Underground-Künstler die DDR herausforderten

Dresden war ein zentraler Kunstort in der DDR – hier existierten sowohl staatlich geförderte Institutionen als auch underground-Bewegungen nebeneinander. Die Hochschule für Bildende Künste der Stadt prägte viele Künstler, die später offizielle Normen infrage stellten. Gegen Ende der 1970er-Jahre traten die Spannungen zwischen diesen Schöpfern und dem sozialistischen System zunehmend offen zutage.

Die Dresdner Hochschule für Bildende Künste galt einst als Vorzeigeeinrichtung für den Sozialistischen Realismus. Doch ab den späten 1970er-Jahren begannen ihre Absolventen – darunter Eberhard Göschel, Hans Scheib und Helge Leiberg – Grenzen auszuloten. Viele ließen sich vom expressionistischen Brücke-Stil inspirieren, der von der DDR-Kunstszene längst verworfen worden war.

Ihr Widerstand blieb nicht ohne Folgen: Der staatlich kontrollierte Verband Bildender Künstler schloss sie von Aufträgen aus, die Stasi überwachte und behinderte ihre Arbeit. Einige wie Reinhard Stangl und Cornelia Schleime erhielten Ausstellungsverbote, andere – etwa Ralf Kerbach und Volker Henze – wurden als subversiv gebrandmarkt.

In Dresden gründete Eberhard Göschel gemeinsam mit anderen die Obergrabenpresse, eine Plattform für inoffizielle Kunst. Zusammen mit Helge Leiberg organisierte er 1982 im Leonhardi-Museum provokative Gruppenausstellungen, die so viel Aufsehen erregten, dass die Behörden das Museum vorübergehend schließen ließen.

Hans Scheib hingegen wählte einen anderen Weg: Er eröffnete in Berlin-Prenzlauer Berg private Galerien – zunächst 1977 in der Raumerstraße 23, dann 1980 in der Sredzkistraße 64. Diese Räume wurden zu wichtigen Rückzugsorten für Künstler, die vom Regime ausgegrenzt wurden.

Die meisten dieser Schöpfer verließen schließlich die DDR in Richtung Westdeutschland. Eberhard Göschel, ursprünglich aus Bayern, blieb als eine der wenigen Ausnahmen – trotz aller Repressalien – in der DDR.

Bis 1989 fanden im Dresdner Albertinum alle fünf Jahre die zentralen Kunstausstellungen der DDR statt. Doch das Erbe dieser Künstler überdauerte die staatliche Kontrolle. Ihre Werke, oft im eigenen Land unterdrückt, wurden später als prägende Kraft der alternativen DDR-Kunstszene anerkannt.

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