Streit um Impfungen in Apotheken: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht
Niko CichoriusStreit um Impfungen in Apotheken: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht
In Deutschland ist ein Streit über Pläne zur Ausweitung von Impfungen in Apotheken entbrannt. Das geplante Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) soll Apotheken eine größere Rolle bei der Verabreichung von Impfstoffen einräumen – doch die Ärzteschaft lehnt die Pläne vehement ab. Apotheker argumentieren, die Neuregelung würde die Impfquoten erhöhen und die Belastung der Arztpraxen verringern.
Die Debatte entzündete sich, nachdem das ApoVWG vorsah, die pauschale Vergütung für Apotheken anzuheben und ihnen die Abgabe aller Totimpfstoffe zu ermöglichen. Marietheres Reher-Gremme, Apothekerin in der Bären-Apotheke in Dülmen, verteidigte den Vorstoß. Sie verwies auf die pharmazeutische Ausbildung der Apotheker und ihren erfolgreichen Einsatz bei Grippeschutz- und COVID-19-Impfungen während der Pandemie – ohne Zwischenfälle.
Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (KBV), kritisierte die Pläne scharf. Er bezeichnete Apotheker als "medizinische Laien" und warf dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) vor, Apotheken durch höhere Gebühren zu bevorzugen, während Ärzte vernachlässigt würden. Reher-Gremme wies die Vorwürfe zurück und betonte die fundierte Ausbildung der Apotheker sowie ihre zentrale Rolle bei der Arzneimittelsicherheit.
Die KBV warnte zudem, eine Ausweitung der Apothekenimpfungen könnte zu unnötigen Leistungen auf Basis nicht validierter Tests führen. Reher-Gremme entgegnete, Apotheker gingen verantwortungsvoll mit Antibiotika um und seien sich der Resistenzrisiken bewusst. Sie plädierte für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern und forderte einen offenen Dialog, um das Gesundheitssystem zu stärken.
Da die Impfquoten in Deutschland weiterhin niedrig sind, argumentieren Befürworter, dass Apotheken durch bessere Erreichbarkeit helfen könnten, die Lücken zu schließen.
Doch der ApoVWG-Entwurf stößt bei Ärzteverbänden auf Widerstand, die die medizinische Kompetenz der Apotheker infrage stellen. Sollte das Gesetz verabschiedet werden, dürften Apotheken künftig ein breiteres Impfangebot anbieten – und höhere Vergütungen erhalten. Die Entscheidung könnte die Impfpraxis im ganzen Land grundlegend verändern.






