Zahnärzte-Rentenfonds in der Krise: Hochriskante Spekulationen gefährden Altersvorsorge
Niko CichoriusZahnärzte-Rentenfonds in der Krise: Hochriskante Spekulationen gefährden Altersvorsorge
Ein Rentensystem, das rund 11.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen versorgt, steckt nach schweren Verlusten durch hochriskante Investitionen in einer tiefen finanziellen Krise. Die damalige Führung des Fonds hatte spätestens ab 2018 Vermögenswerte in spekulativere Anlagen umgeschichtet – eine Reaktion auf jahrelange Niedrigzinsen. Nun fürchten viele Versicherte um ihre Altersvorsorge.
Die Lage spitzte sich zu, als der Fonds die Hälfte seines Gesamtvermögens durch diese Geschäfte verlor. Die Situation verschärfte sich weiter, als der mit dem Fonds verbundene Versicherer Element Insolvenz anmelden musste. Die Verluste lösten einen Machtkampf aus: Im April wurde der Vorsitzende des Aufsichtsrats abberufen. Er wehrt sich nun vor Gericht gegen die Entscheidung und argumentiert, ihm seien weder klare Gründe für seine Entlassung genannt noch die Möglichkeit zur Verteidigung eingeräumt worden.
Das Berliner Senatsressort für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege hatte die Abberufung zunächst für rechtswidrig erklärt und die anschließende Nachwahl für ungültig. Doch das Verwaltungsgericht Berlin urteilte später, ein Vertrauensverlust in die Führung könne die Entlassung rechtfertigen – vorausgesetzt, die Entscheidung sei nicht willkürlich oder strafend motiviert. Das Verfahren selbst folge demokratischen Prinzipien, ähnlich einem Misstrauensvotum.
Anders als bei klassischen Finanzinstitutionen unterliegt der Zahnärzte-Rentenfonds einer besonderen Struktur. Seine selbstverwaltenden Aufgaben wurzeln in der historischen Entwicklung der Sozialversicherungssysteme unter indirekter staatlicher Aufsicht – spezifische Fachkenntnisse sind dafür nicht zwingend vorgeschrieben.
Der Rechtsstreit um die Abberufung dauert indes an, während der ehemalige Vorsitzende auf der Verletzung seiner Rechte besteht. Die betroffenen Zahnärztinnen und Zahnärzte blicken unterdessen besorgt in eine ungewisse finanzielle Zukunft. Das Ergebnis des Prozesses wird nicht nur über die Rechtmäßigkeit der Entlassung entscheiden, sondern auch darüber, wie die verbleibenden Mittel des Fonds verwaltet werden.






